BLAUE LUPINE ALS ANBAUALTERNATIVE AUF LEICHTEN BÖDEN

Einheimischer Eiweißlieferant wettbewerbsfähig gegenüber Roggen
Höhere Rohproteinerträge im Vergleich zu Körnererbse

Die Blaue Lupine hat sich bereits nach wenigen Jahren als relativ neue Körnerleguminose mit einer Anbaufläche von 40000 ha im Pflanzenbau der leichten D-Standorte etabliert. Ihre Vorzüge liegen in den geringen Kostenanteilen für Saatgut und Pflanzenschutzmittel sowie dem Vorfruchtwert. Auf ertragsschwachen Standorten schneidet die Blaue Lupine in der Wettbewerbsfähigkeit gegenüber Roggen gut ab. Sie ist in der Wirtschaftlichkeit zumindest als gleichwertig einzustufen und bildet dadurch eine sinnvolle Alternative für den übersättigten Roggenmarkt.

Landwirte auf leichten Sandböden, die standortgemäß nur Roggen als tragende Fruchtart nutzen können, stehen vor einer schwierigen Situation. Die Roggenproduktion ist zu hoch, Roggen soll aus der Intervention genommen werden und damit gerät der Roggenpreis unter starken Druck. Es stellt sich die Frage nach Anbaualternativen für den Pflanzenbauer auf leichten Standorten. Wird der Markt für Mähdruschfrüchte analysiert, so ist der geringe Selbstversorgungsanteil an großkörnigen Eiweißpflanzen in Deutschland und der EU offensichtlich. Nur 25 bis 30 Prozent des Bedarfes kommen aus heimischer Erzeugung. Körnerleguminosen liefern hierbei einen äußerst bescheidenen Anteil.

Das Verbot der Verwendung von Tiermehl in der Fütterung nach der BSE-Krise hat Hoffnungen geweckt, einheimische Körnerleguminosen bei lukrativen Erzeugerpreisen in stärkerem Maße in der Mischfutterindustrie einsetzen zu können. Das ist nicht eingetreten, die Versorgungslücke mit pflanzlichem Protein wird verstärkt durch Sojaimporte aus Übersee geschlossen.

Verschiebungen zwischen den Arten
Der Körnerleguminosenanbau pegelte sich in den vergangenen Jahren in Deutschland auf einer Fläche um die 200 000 ha ein. In den neuen Bundesländern werden auf 3,5 Prozent der Ackerfläche Körnerleguminosen angebaut, der Anteil in den alten Bundesländern liegt dagegen unter 1 Prozent.

Die Hauptanbaugebiete für die Blaue Lupine sind insbesondere auf den leichten D-Standorten in Osteutschland zu finden.

Zu beobachten waren in den vergangenen Jahren Veränderungen in den Anteilen zwischen den einzelnen Leguminosenarten. Der Anbau der Blauen Lupine nahm kontinuierlich zu und wies im Jahr 2002 ein Areal von etwa 40000 ha auf (siehe Übersicht). Die Blaue Lupine als relativ neue Kulturart erschließt sich dabei verstärkt Anbauregionen, die früher der Gelben Lupine vorbehalten waren. Die Blaue Lupine steht in der Anbaueignung nicht mit der Ackerbohne in Konkurrenz, wohl aber mit den Körnererbsen auf den leichten und mittleren Standorten. Der Anbau der Gelben Lupine war in Ostdeutschland auf den leichten Roggenstandorten weit verbreitet. Mit dem epidemischen Auftreten der Anthracnose ab Mitte der neunziger Jahre brachen die Saatgutversorgung und die Erträge durch Frühinfektionen zusammen, sodass der Anbau der Gelben Lupine fast völlig zum Erliegen kam. In diese Lücke konnte die Erbse auf Grund ihrer guten ökologischen Anpassungsfähigkeit mit neuen standfesten Sorten stoßen. Sie erzielte auf diesen Standorten gegenüber den Gelben Lupinen einen annähernd doppelt so hohen Kornertrag. Die Rohproteinleistung pro Flächeneinheit wurde aber durch die Körnererbse nicht übertroffen, da der hohe Rohproteingehalt der Gelben Lupine (etwa 40 Prozent) von der Erbse (etwa 20 Prozent) bei weitem nicht erreicht wird.

Die Blaue Lupine steht in der Anbaueignung nicht mit der Ackerbohne in Konkurrenz, wohl aber mit den Erbsen auf den leichten und mittleren Standorten.

Blaue Lupine überzeugt mit Rohproteinertrag

Im Jahr 1997 wurden die ersten Sorten der Blauen Lupine in Deutschland zugelassen, die bereits nach vier Jahren einen bedeutenden Anbauumfang erreichten. Die Hauptanbaugebiete für die Blaue Lupine liegen auf den leichten D-Standorten der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und Sachsen. Blaue Lupinen erreichen in den Kornerträgen nicht das Niveau der Körnererbsen, übertreffen diese aber im Rohproteinertrag auf Grund des um 10 Prozent höheren Rohproteingehaltes. Mehrjährige Auswertungen der Landessortenversuche (1998 bis 2002) zeigen, dass das Ertragspotenzial der Blauen Lupine auf D-Standorten zu etwa 74 Prozent dem Kornertrag und zu etwa 112 Prozent dem Rohproteinertrag der Körnererbse entspricht (siehe Grafik). Mit diesen Leistungen in den Rohproteinerträgen unterstreicht die Blaue Lupine ihren Wert als Eiweißpflanze.


Für den Landwirt ist nicht die Summe der positiven Eigenschaften und Effekte einer Fruchtart für den Anbau allein entscheidend. Es sind die Erlöse und eine betriebswirtschaftliche Bewertung in der Analyse vorrangig zu berücksichtigen.

Blick auf monetären Vorfruchtwert
Um die Wirtschaftlichkeit des Anbaus von Roggen, Erbsen und Blauen Lupinen vergleichend zu bewerten, wurden Kalkulationen zu den Deckungsbeiträgen dieser Arten vorgenommen. Die Berechnung der Deckungsbeiträge erfolgte mit je einem höheren und niedrigeren Preis: bei Winterroggen mit Preisen von 8,50 und 7,50 €/dt, bei Erbsen mit 12,50 und 11,50 €/dt sowie bei Blauen Lupinen mit 14,50 und 12,50 €/dt. Die variablen Kosten in den Berechnungen wurden aus Erhebungen sächsischer Betriebe abgeleitet, die Flächenbeihilfe entspricht dem derzeitig gültigen Satz in Sachsen. Ohne Berücksichtigung des monetären Vorfruchtwertes ist die Blaue Lupine bei niedrigen und hohen Preisen dem Roggen in der Wirtschaftlichkeit knapp unterlegen. Bei den Erbsen ist die Situation auf Grund des höheren Naturalertrages differenzierter: Bei den unterstellten niedrigen Preisen wird mit den Erbsen ein geringfügig höherer Deckungsbeitrag als mit Roggen erzielt, während bei den höheren Preisen der Roggen geringfügig besser abschneidet. Die wirtschaftliche Bewertung schlägt zugunsten der Erbsen und Blauen Lupinen um, wenn ihr monetärer Vorfruchtwert in die Kalkulation einbezogen wird.

Auf D-Standorten mit einem Ertragsvermögen für Roggen von 50 bis 40 dt/ha und darunter können mit den Erbsen und den Blauen Lupinen um 60,- bis 80,-€/ha höhere Deckungsbeiträge als mit Roggen erwirtschaftet werden, vorausgesetzt, es werden bei der Vermarktung die angesetzten Preise realisiert.

Dr. Winfried Jackisch, Sächsische Landesanstaltfür für Landwirtschaft, Nossen